✉️ Der Brief
Wie wird "die Welt da draußen" eigentlich dargestellt – früher und heute?
🖼️ Drei Werbekarten
Diese drei Bilder sind echte Sammelbilder aus der Zeit um 1900 – solche Karten lagen damals Produkten wie Fleischextrakt oder Kakao bei und wurden von Millionen Menschen in Europa gesammelt.
„Ein Schauri" (Deutsch-Ostafrika)
Deutsch-Ostafrika (heute u. a. Tansania) war von 1885 bis 1919 eine deutsche Kolonie. "Schauri" ist ein Suaheli-Wort für Beratung – hier lässt sich ein deutscher Beamter von Einheimischen bedienen, während er "Recht spricht".
„Eingeborene vom Arunta-Stamme" (Australien)
Australien war keine deutsche Kolonie, sondern britisch – diese Karte zeigt aber, dass das gleiche Bild-Muster europaweit verbreitet war: weiße Siedler bei "zivilisierter" Arbeit, Aborigines als exotisches Naturschauspiel danebengestellt.
„Fry's Pure Cocoa" (Großbritannien)
Auch dieses Beispiel ist britisch, nicht deutsch – zeigt aber denselben Trick: Ein Mensch aus einem kolonisierten Land wird zur dienenden Werbefigur für ein europäisches Konsumprodukt gemacht.
Schau dir alle drei Karten genau an. Wer hat auf jedem Bild die Handlungsmacht – wer handelt aktiv, wer ist nur Kulisse oder Dienstleister? Beschreibe es an einem Beispiel.
Nur die erste Karte zeigt eine tatsächlich deutsche Kolonie. Warum haben wir trotzdem alle drei gezeigt?
📱 Und heute?
Dieses Bild ist eine gestellte, KI-generierte Werbeanzeige für eine erfundene "Luxury Travel Company" – keine echte Firma, kein echter Mensch. Sie zeigt aber ein sehr reales Muster der heutigen Reise- und Influencer-Werbung.
"Beyond the ordinary. Into the extraordinary."
Ein gestelltes Beispiel für 2026 – gebaut, um das Muster sichtbar zu machen, nicht um eine echte Werbung zu zeigen.
Wer ist auf diesem Bild die Hauptperson, wer ist Kulisse? Vergleiche mit den drei historischen Karten oben.
Welches Gefühl soll bei den Betrachtenden geweckt werden – damals bei den Werbekarten, heute bei dieser Anzeige?
Wenn das historische Plakat von 1900 ein Vorfahre dieser modernen Anzeige ist – was genau wurde da "vererbt"? Was hat sich wirklich geändert?
✉️ Der Brief auf dem Tisch der Museumsleitung
Ihr seid jetzt das History-Consultant-Team eines Völkerkundemuseums. Das ist der Brief, der gerade eingegangen ist. (Kein echtes Zitat einer bestimmten Organisation – aber inhaltlich auf echten, gut dokumentierten Forderungen von Herero- und Nama-Nachfahren aufgebaut.)
Sehr geehrte Museumsleitung,
im Namen von Nachfahren der Herero- und Nama-Gemeinschaften wenden wir uns an Sie mit einer Bitte, die seit Generationen unbeantwortet bleibt.
Zwischen 1904 und 1908 führte die deutsche Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, einen Vernichtungsfeldzug gegen unsere Vorfahren. Tausende Menschen starben in der Wüste, in Lagern, an Hunger und Zwangsarbeit. Die sterblichen Überreste vieler unserer Vorfahren wurden damals nach Deutschland gebracht – für eine "Forschung", die heute als Rassenideologie längst widerlegt ist.
Ein Teil dieser Objekte und Gebeine befindet sich bis heute in deutschen Sammlungen. Wir bitten Sie: Prüfen Sie ehrlich, was sich in Ihrem Bestand befindet, woher es stammt, und wie es dorthin gelangte. Und dann: Geben Sie zurück, was uns gehört.
Es geht uns nicht nur um Objekte. Es geht darum, dass unsere Vorfahren endlich in Würde ruhen können – und dass diese Geschichte nicht länger verschwiegen wird.
Mit der Bitte um eine ehrliche Antwort,
Vertreter*innen der Herero- und Nama-Nachfahrengemeinschaften
Was fordert der Brief genau? Fasse es in eigenen Worten in 2–3 Sätzen zusammen.
Bevor ihr irgendetwas recherchiert habt: Was ist eure erste, spontane Reaktion auf diesen Brief?
Notiere 2 Fragen, die dieser Brief bei dir offen lässt – Dinge, die ihr jetzt herausfinden müsst.
Bereit für die Mission
Trage Namen und Klasse ein und schicke deine ersten Reaktionen ab. Danach geht es in Phase 2: Ihr recherchiert als Quellen-Detektive.
Weiter geht's
Gut – ihr habt jetzt eine Ausgangslage. Behaltet eure ersten Reaktionen im Kopf, ihr kommt in der Reflexion am Ende noch einmal darauf zurück.